Ich erzähle meiner Tochter immer die Wahrheit und andere Geschichten vom Weihnachtsmann

Egal was für Fragen meine Tochter stellt, ich sage ihr immer die Wahrheit. Da gibt es schon so einige, die nicht immer einfach und kindgerecht zu beantworten sind. Die Frage zu den Stolpersteinen auf dem Weg zum Kindergarten, über das Kinder kriegen und über das machen, über den Tod, die Liebe oder das Leben von Kindern in Kriegsgebieten. Auch gerne genau so in der Reihenfolge, bis uns Eltern der Kopf raucht. Manchmal fällt es schwer, die Welt als wundervollen Ort darzustellen, wenn die Realität laut plärrend in unsere heile Welt eindringt. Und deswegen erzähle ich manchmal doch nicht die Wahrheit.

Ich erzähle ihr vom Weihnachtsmann und dem Christkind. Von Weihnachtselfen, die nachts den Adventkalender bringen. Es gibt den Osterhasen, die Zahnfee und natürlich auch SuperheldInnen, die leider aber ständig in New York abhängen. Es gibt Engel im Himmel, die Plätzchen backen, den lieben Gott und auf jeden Fall Außerirdische dort draussen. Tausende kleine Lügen in den letzten sieben Jahren.

Sie haben für unzählige Stunden Geschichten erzählen gesorgt. Sie verzaubern, bringen Spannung, lassen einen träumen und vor allem bringen sie Hoffnung. Warum nicht glauben, dass Spider-man zwischen den Dächern von New York schwingt? Ich persönlich halte es für genau so realistisch, wie wenn es den lieben Gott gibt. Als Vorbild taugt manch SuperheldIn der Neuzeit auch eh besser.

Mittlerweile wird es immer schwerer dieses ganze Gebilde der Zauberwelt aufrecht zu erhalten. Letztes Weihnachten musste ich jeden Film, den wir gesehen haben in meine Erklärung zum Weihnachtsmann und Christkind einbauen, um nicht irgendwann so Weihnachten feiern zu müssen, wie in den amerikanischen Filmen.

Heute Abend erst hatten wir eine Unterhaltung über die Zahnfee*. Der Wackelzahn nervte und wollte einfach nicht raus. Das Einschlafen fiel schwer. Also musste ich trösten und fing mal wieder an zu erzählen. Von dem armen Zahn, der nach über sechs Jahren halt noch was bleiben will. „Ist doch schön, dass er noch da ist. Er war doch all die Jahre echt nett. Wer weiß, was für ein Rüpelzahn da nachkommt.“

Spätestens beim Wort „Rüpelzahn“, war der Bann gebrochen. Es wurde wieder gekichert. Wir beschlossen, dass der Zahn noch eine Nacht bleiben darf, was auch viel einfacher für die Zahnfee sei. Es war schließlich schon dunkel. Sie hatte sicher schon alle kleinen Mitbringsel gepackt und war schon unterwegs. Da kommt unser Zahn jetzt daher, und sie muss nochmal zurück. Wer weiß, wann die mal Feierabend hat. So enden bei uns dann oft solch kleine Bettkantengeschichten. Der Zahn tat nicht mehr weh, die Tränen waren getrocknet und es wurde sich zufrieden ins Bett gekuschelt.

Ich liebe es solche kleinen Lügen zu erzählen. Auch, wenn es jetzt immer schwieriger wird. Ich bin mir schon lange nicht mehr sicher, ob meine Tochter überhaupt noch irgendwas von dem glaubt, was ich da erzähle. Sie geht immerhin schon in die zweite Klasse und es wird geredet auf dem Schulhof. Doch in solchen Momenten, wie heute Abend, glaubt sie mir einfach, weil es ihr gut tut. Ich bin einfach da, wir kuscheln zusammen und ich nehme sie mit in die Zauberwelt. Es lohnt sich also nicht immer die Wahrheit zu erzählen.

*Die Zahnfee wohnt übrigens in einem hohen Baumhaus und die Zähne sammelt sie natürlich um sie zu Glitzerstaub zu mahlen. Den brauchen alle Elfen zum fliegen. Nur falls mal jemand fragt.

3 Kommentare zu „Ich erzähle meiner Tochter immer die Wahrheit und andere Geschichten vom Weihnachtsmann

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